Was passiert, wenn Maschinen nicht mehr nur Befehle ausführen, sondern selbstständig Entscheidungen vorbereiten? Wenn digitale Zwillinge Informationen über Anlagen bereitstellen und humanoide Roboter neue Aufgaben in der Produktion übernehmen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Innovationstag 2026 der SmartFactory-KL.

Die Fabrik der Zukunft entsteht nicht erst irgendwann. Viele ihrer Bausteine sind bereits heute verfügbar – entscheidend ist, wie sie zusammenspielen. Agentic AI, offene Produktionsarchitekturen, digitale Zwillinge und neue Formen der Robotik standen deshalb im Mittelpunkt des Innovationstags der SmartFactory-KL am 15. September in Kaiserslautern. Unter dem Motto „Die Fabrik von morgen: Open SmartFactory Architecture, Agentic AI und Industrial Humanoids“ trafen sich Expertinnen und Experten aus Forschung, Industrie und Technologie, um aktuelle Entwicklungen einzuordnen und vor allem eines zu zeigen: Was lässt sich heute schon praktisch umsetzen?

Wenn KI vom Werkzeug zum Akteur wird

Ein Schwerpunkt des Tages lag auf Agentic AI. Klassische KI-Anwendungen liefern beispielsweise Prognosen, erkennen Muster oder beantworten Fragen. KI-Agenten gehen einen Schritt weiter: Sie können Aufgaben eigenständig planen, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und Aktionen anstoßen. Für die industrielle Produktion eröffnet das neue Möglichkeiten. Agenten könnten künftig beispielsweise Produktionsabläufe koordinieren, Informationen aus Maschinen und digitalen Zwillingen auswerten oder bei Abweichungen geeignete Maßnahmen vorschlagen.

Prof. Dr.-Ing. Martin Ruskowski, Vorstandsvorsitzender der SmartFactory-KL, zeigte in seinem Vortrag, welche Bedeutung Agentic AI für die Produktion gewinnen kann – und welche technologischen Voraussetzungen dafür notwendig sind. Denn ein intelligenter Agent ist nur so gut wie die Umgebung, in der er arbeitet.

Offene Architekturen als Fundament

Damit unterschiedliche Maschinen, Softwarelösungen und KI-Anwendungen miteinander kommunizieren können, braucht es offene und interoperable Strukturen. Die Open SmartFactory Architecture der SmartFactory-KL schafft hierfür einen Rahmen, in dem unterschiedliche Technologien herstellerübergreifend zusammenspielen können.

Welche Rolle dabei auch der Transfer von Forschung in die industrielle Praxis spielt, zeigte Andreas Dengel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) mit seinem Beitrag zum Transferlab. Im Fokus stand die Frage, wie Unternehmen Forschungs- und Entwicklungskompetenz für konkrete eigene Innovationsvorhaben nutzen können.

Wie diese Technologien bereits miteinander verbunden werden können, zeigte anschließend ebm-papst anhand einer flexiblen Matrixproduktion. Dort treffen Agenten und Verwaltungsschale (AAS) aufeinander und machen deutlich, wie digitale Informationen und intelligente Softwarebausteine künftig zur Steuerung und Flexibilisierung von Produktionsprozessen beitragen können.

Der nächste Schritt: Roboter mit menschlicher Gestalt?

Noch stärker nach Zukunft klingt ein anderer Technologietrend, der beim Innovationstag auf der Agenda stand: Industrial Humanoids. Humanoide Roboter könnten perspektivisch dort interessant werden, wo Produktionsumgebungen bereits auf menschliche Bewegungsabläufe, Werkzeuge und Arbeitsplätze ausgelegt sind. Gleichzeitig stehen viele Fragen noch am Anfang: Welche Aufgaben eignen sich tatsächlich für humanoide Systeme? Wie lassen sie sich sicher in bestehende Produktionsumgebungen integrieren? Und wann entsteht daraus ein wirtschaftlicher Mehrwert? Der Innovationstag brachte diese Fragen bewusst mit den aktuellen Entwicklungen rund um KI und Automatisierung zusammen.

Auch in der Diskussionsrunde „Wo stehen wir heute bei I4.0?“ ging es deshalb nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern um den Abstand zwischen Vision und industrieller Realität. Unterschiedliche Perspektiven aus Forschung, Technologie und Industrie zeigten: Industrie 4.0 ist in vielen Bereichen angekommen – gleichzeitig bleibt die Frage entscheidend, wie aus einzelnen Technologien robuste und wirtschaftlich nutzbare Lösungen entstehen.

Vom Vortrag in die Modellfabrik

Die Antwort darauf gab es nicht nur auf der Bühne. Bei Führungen durch die SmartFactory-KL Modellfabrik konnten die Teilnehmenden erleben, wie neue Produktionskonzepte praktisch erprobt werden. In der begleitenden Expo präsentierten zudem Partner aus Industrie und Forschung ihre aktuellen Entwicklungen. Mit dabei waren unter anderem SSH, 8com, Empolis, Proalpha, PFALZKOM, Pilz, SmartFactory-Academy, DFKI, XITASO, YASKAWA, Fraunhofer, IDTA sowie T-Systems/DFKI. In kurzen Expo Pitches gaben sie Einblicke in ihre Lösungen und Use Cases. Damit wurde der Anspruch des Innovationstags greifbar: Nicht nur über die Fabrik von morgen sprechen, sondern Technologien zusammenbringen, ausprobieren und gemeinsam weiterentwickeln.

Die Fabrik von morgen entsteht heute

Am Ende des Tages wurde deutlich, dass es nicht die eine Technologie gibt, die die Produktion grundlegend verändert. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Agentic AI braucht Daten und geeignete digitale Repräsentationen. Digitale Zwillinge brauchen offene Schnittstellen. Roboter brauchen intelligente Software und sichere Interaktion. Und all diese Bausteine müssen sich in bestehende industrielle Strukturen integrieren lassen.

Genau hier setzt die Arbeit der SmartFactory-KL an: In der Modellfabrik werden neue Technologien nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrem Zusammenspiel erprobt und mit Partnern aus Forschung und Industrie weiterentwickelt. Der Innovationstag hat dafür zahlreiche Impulse geliefert – und gezeigt, dass die Fabrik von morgen längst Realität ist.

Sie möchten neue Technologien nicht nur diskutieren, sondern in einer realitätsnahen Produktionsumgebung erleben? Die SmartFactory-KL bietet Unternehmen und Forschungspartnern Raum für Demonstrationen, gemeinsame Use Cases und die Entwicklung neuer Lösungen. Sprechen Sie uns an.

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