
Gemeinsame Passwörter, fehlende Rollenmodelle und unklare Verantwortlichkeiten gehören in modernen Produktionsumgebungen der Vergangenheit an. Stattdessen setzen Vorreiter schon heute auf eine sichere und nachvollziehbare Zugriffsverwaltung. Gemeinsam mit SSH Communications Security hat die SmartFactory-KL ihre Modellfabrik deshalb um ein rollenbasiertes Access-Management erweitert – und zeigt, wie sich Security-Lösungen praxisnah in industrielle Umgebungen integrieren lassen.
Wer in einer Fabrik arbeitet, benötigt nicht automatisch Zugriff auf jede Maschine oder jede Softwarefunktion. Unterschiedliche Mitarbeitende nehmen unterschiedliche Aufgaben wahr, daher sollten auch ihre Zugriffsrechte klar geregelt sein. Genau das war in der SmartFactory-KL Modellfabrik lange Zeit nicht der Fall. Wer das Masterpasswort kannte, konnte sich an nahezu allen Anlagenmodulen anmelden, Einstellungen ändern oder sogar Programmcode anpassen. Das funktionierte zwar grundsätzlich im Arbeitsalltag, barg aber erhebliche Risiken: Versehentliche Änderungen waren kaum zu vermeiden und im Nachhinein ließ sich oft nicht nachvollziehen, wer welche Anpassungen vorgenommen hatte.
Neuer Partner bringt mehr Security
Mit dem Beitritt von SSH Communications Security als Vereinsmitglied Anfang 2026 bot sich die Chance, diesen Zustand grundlegend zu verändern. Jamie Wilkie, Regional Account Manager bei SSH, war schnell klar: Das Access-Management-System PrivX eignet sich ideal, um die Zugriffsverwaltung in der SmartFactory-Modellfabrik auf ein neues Niveau zu heben.
Die Einführung verlief schnell und unkompliziert: Heute verfügt jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter im Demonstratorbauteam über einen persönlichen Account mit genau den Berechtigungen, die für die jeweilige Aufgabe benötigt werden. Ob vor Ort oder per VPN aus dem Homeoffice – der Zugriff erfolgt sicher, nachvollziehbar und ausschließlich auf die freigegebenen Anlagenmodule. Gleichzeitig werden sämtliche Aktivitäten protokolliert. Änderungen lassen sich dadurch jederzeit zurückverfolgen und unbeabsichtigte Eingriffe gehören weitgehend der Vergangenheit an.
Zahlreiche Vorteile und Schnittstellen erleichtern die tägliche Arbeit
Ein zusätzlicher Vorteil zeigt sich in der täglichen Entwicklungsarbeit: Über eine Schnittstelle zu GitLab werden Benutzerrechte automatisch synchronisiert. Neue Mitarbeitende können schneller eingerichtet und Zugriffsrechte beim Ausscheiden unkompliziert wieder entzogen werden. Das spart Zeit und reduziert den administrativen Aufwand.
Erstmals präsentiert haben die Forscher:innen die gemeinsame Lösung mit SSH auf der Hannover Messe 2026. Dort zeigten sie, dass professionelles Zugriffsmanagement in industriellen Umgebungen weder kompliziert noch aufwendig sein muss. Stattdessen lässt sich mit überschaubarem Aufwand ein deutlich höheres Maß an Sicherheit und Transparenz erreichen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist eine solche low-effort Lösung ideal.
Die Zusammenarbeit der SmartFactory-KL und SSH endet nicht bei der Benutzerverwaltung. Gemeinsam arbeiten die Security-Experten aus Finnland und die Forscher:innen aus Kaiserslautern bereits am nächsten Schritt: Künftig soll PrivX auch die Identitäten und Berechtigungen von Software-Agenten – sowohl KI-basiert als auch deterministisch – verwalten, die Aufgaben innerhalb der Modellfabrik übernehmen. Die technischen Voraussetzungen dafür bringt das System bereits mit – die Umsetzung ist der nächste gemeinsame Use-Case.
Win-Win: Einsatz ermöglicht Produktverbesserungen an der Software
Von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten. Die SmartFactory-KL erhält eine sichere und praxisnahe Lösung für ihre Modellfabrik. SSH Communications Security wiederum kann seine Software unter realen Industriebedingungen testen und wertvolles Feedback direkt in die Produktentwicklung einfließen lassen. So entstand beispielsweise auf Anregung der SmartFactory-KL eine erweiterte Rechtehierarchie, bei der Führungskräfte automatisch die Berechtigungen ihrer Teams übernehmen können. Außerdem sehr wertvoll für SSH ist der ehrliche Einblick in die potenziellen Sicherheitslücken der SmartFactory-KL – ein Bereich, in den sich die wenigsten Kunden gerne hineinschauen lassen.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, welchen Mehrwert die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung bietet: Neue Technologien lassen sich unter realitätsnahen Bedingungen erproben, gemeinsam weiterentwickeln und anschließend in die industrielle Praxis übertragen. Gleichzeitig schafft eine sichere Zugriffsverwaltung die Grundlage für die Fabrik von morgen – insbesondere dann, wenn künftig nicht nur Menschen, sondern auch Software-Agenten eigenständig mit Produktionsanlagen interagieren.
Autorin: Larissa Theis







