
- Skill-basierte Fertigung reduziert Zeitaufwände erheblich
- Vorbild für andere Maschinen
Grüner Schlaglack und 1,5 Tonnen schwer, eine Maschine, wie sie zu Tausenden in deutschen Unternehmen zu finden ist. Doch die Fräse von „Friedrich Korradi“ ist damit nicht mehr zu vergleichen. Einige Hardwareumbauten und vor allem ein Digitaler Zwilling ermöglichen bisher undenkbare Erweiterungen, Zeitersparnis und Präzision. Zudem öffnet der Digitale Zwilling das Tor in die Produktion der Zukunft.
Andreas Wagner von der RPTU Kaiserslautern-Landau liebäugelt schon länger mit der Idee des Retrofittings, seit die Fräsmaschine vor zwei Jahren angeliefert wurde. Seine Idee: sie so umzurüsten, dass sie Skill-basiert arbeiten kann. Er selbst promoviert zu dem Thema Skills und sieht Retrofitting als günstige Option, um neueste Technologien mit alten Maschinen zu verbinden. „Viele Unternehmen nutzen die Möglichkeiten von Industrie 4.0-Technologien nicht, weil sie denken, sie müssen dann neue Maschinen anschaffen“, erklärt er. „Ich will zeigen, dass das nicht richtig ist. Die Digitalisierung kann überall Einzug halten und ihre effiziente Wirksamkeit entfalten.“
Was wurde an der Fräse geändert?
Die Maschine wurde mit Vorschubmotoren, Digitalem Zwilling und einer CNC-Steuerung ausgestattet. Die Fähigkeiten (Skills) der Fräse sind als Skills aufrufbar, so zum Beispiel das Fräsen von Rechteck- oder Kreistaschen. Sie sind über eine einheitliche OPC UA -Schnittstelle ansteuer- und parametrisierbar. Der Digitale Zwilling kalkuliert vor Arbeitsbeginn unter anderem Kosten und Energiebedarf, plant die Trajektorie und prüft diese auf Kollisionen. Somit übernimmt er die Rolle eines CAM-Systems und gibt Informationen zurück, die z.B. zur Erstellung eines Angebots genutzt werden können. Der Digitale Zwilling hilft somit den gesamten Planungsprozess zu automatisieren und zu optimieren.
Über welche zusätzlichen Fähigkeiten verfügt die SkillMill jetzt?
Geometrische Features eines Bauteils können mit Hilfe modernster Industrie 4.0-Paradigmen direkt aus dem CAD heraus gefertigt werden. Das spart zeitaufwändige Programmierarbeit. Bei der Suche nach passenden Maschinen für einen bestimmten Auftrag, meldet sich die SkillMill wie auch alle weiteren Maschinen mit ähnlichen Fähigkeiten im Maschinenpark gemäß dem Skill-basierten Ansatz automatisch zurück. Um sicher zu gehen, dass ein Skill mit seinen spezifischen Parametern ausführbar ist, führt der Digitaler Zwilling im Vorfeld einen Feasibility-Check durch, um die Machbarkeit des Arbeitsauftrages zu überprüfen.

Wieso ist die SkillMill beispielhaft für andere Maschinen im Bownfield?
„Alte Maschinen stehen auch heute noch in Produktionshallen herum“, so Wagner. Das Beispiel zeigt, dass auch solche Maschinen durch ein Retrofitting in die Zukunft transferiert werden können. „Denkbar wäre, dass sie über den Digitalen Zwilling in Datenräume eingebunden werden, wie sie mit Gaia-X oder Manufacturing-X angedacht sind“, erklärt Wagner weiter. „Dann könnte die Maschine ihre Skills dort anbieten und diese dann von anderen Unternehmen gemietet werden. So würde sie neue Aufträge bekommen und verstärkt genutzt werden.“ Durch den Digitalen Zwilling kann die Maschine einen anfragenden Kunden exakt über die Arbeitsdauer, den CO2-Fußabdruck, den Energiebedarf oder den Preis informieren. So öffnet der Digitale Zwilling das Tor zur Produktion der Zukunft.
Pressekontakt:
Larissa Theis
larissa.theis@smartfactory.de
+49 631 343 773 35
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Über die SmartFactory-KL - Home of Next Gen Factory Automation
Die SmartFactory-KL ist eine einzigartige Community aus Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologiepartnern. In den realen Produktionsumgebungen einer herstellerunabhängigen Industrie-4.0-Modellfabrik erproben und integrieren die Partner innovative Technologien rund um KI, den Digitalen Zwilling, die Verwaltungsschale und skillbasierte Produktion. Dazu haben die Forscher:innen die SmartFactory-Referenzarchitektur entwickelt, die die industrielle Umsetzung dieser neuen Produktionstechnologien ermöglicht und so Forschung direkt in die Anwendung bringt. Das Team der SmartFactory-KL setzt sich zusammen aus Expert:innen der Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V., des DFKI-Forschungsbereiches Innovative Fabriksysteme (IFS) und des Lehrstuhls Werkzeugmaschinen und Steuerungen (WSKL) der RPTU Kaiserslautern-Landau. Insbesondere die intensive Kooperation mit dem DFKI garantiert den Anschluss an die deutsche KI-Spitzenforschung.

